Antirassismus & Antifa | 06.08.12 | Druckversion

Staatlicher Rassismus und rechter Mob gegen das Asylrecht – Rostock-Lichtenhagen vor 20 Jahren

Mittwoch, 15.8.2012, 19.30 Uhr, Allerweltshaus Ehrenfeld, Körnerstr. 77-79. Eine Veranstaltung der SAV Köln. Einleitung: Ben, linksjugend.solid Köln und Claus Ludwig, sozialistischer Stadtrat, Die LINKE.Köln. Mit Videos von den Ereignissen in Rostock und von antifaschistischen Aktionen.

Rostock-Lichtenhagen, 22. August 1992: 2.000 Leute, zum großen Teil mobilisierte Neonazis, und für deren Parolen offene Anwohner greifen die Aufnahmestelle für Asylbewerber und ein Wohnheim vietnamesischer Arbeitsmigranten an. Die Ausschreitungen dauern mehrere Tage, die Menschenmenge wird größer. Zuerst fliegen Steine, dann Brandsätze. Am ersten Wochenende der Rostocker Angriffe werden 30 Polizisten aus Süddeutschland geschickt. Der Oberbürgermeister, der Innensenator und der stellvertretende Polizeidirektor sind im Urlaub.

Als auf Drängen besorgter Anwohner die Polizei aufkreuzt, sieht sie sich mangels Personal und Ausrüstung „nicht in der Lage“, die Häuser und deren BewohnerInnen zu beschützen. Stattdessen wurden Antifaschisten, die sich den Naziangriffen in den Weg stellten und spontan demonstrierten, wegen angeblicher Gewaltbereitschaft und Landfriedensbruchs durchsucht, verprügelt und festgenommen.

Die Pogrome von Rostock-Lichtenhagen sind durch staatliches Vorgehen ermutigt worden. Viele Asylsuchende durften die Aufnahmestelle nicht betreten und mussten unter freien Himmel schlafen, ohne Zugang zu Duschen und Toiletten. Bürgerliche Politiker und Medien wiesen den Flüchtlingen die Schuld für die „unhaltbaren Zustände“ vor der Aufnahmestelle zu, für die einzig und allein der deutsche Staat verantwortlich war. Die faschistischen Gruppen nutzten das zur Mobilisierung für die Gewalttaten.

Die so provozierten Ausschreitungen wurden von den etablierten Parteien genutzt, um ein lange geplantes Vorhaben, die faktische Abschaffung des Asylrechts, durchzusetzen. Das Wüten des Mobs wurde als Begründung herangezogen, dass sich „was ändern“ müsse, dass die deutsche Bevölkerung die „Asylflut“ nicht mehr aushalten könnte. Der Rassismus von Staat und Parteien und die Mobilisierung rassistischer Gewalt wirkten so Hand in Hand.

Auf unserer Veranstaltung wollen wir auf die Ereignisse von damals zurückblicken, nicht nur auf die rechte Gewalt, sondern auch die massive antifaschistsche Gegenbewegung und auch über die Lehren für heute diskutieren.

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