Sport & Freizeit | 17.09.11 | Druckversion

Bäder für Alle – im Veedel und bezahlbar!

Demonstration für die Bäder Nippes und Weiden, September 2011 Rede von Claus Ludwig, Ratsmitglied für die LINKE.Köln und Mitglied im Aufsichtsrat der KölnBäder GmbH, auf der Demo zur Verteidigung der Schwimmbäder am 17. September 2011.

Liebe Schwimmfreundinnen und Schwimmfreunde!

2003 wurde das Nippes-Bad in ein Gruppenbad umgewandelt und die Öffentlichkeit damit ausgesperrt.Seit 2003 kämpfen die Schwimmerinnen und Schwimmer in Nippes für ihr Bad. Die Schließung konnte 2007 durch hartnäckige Proteste verhindert werden, ebenso wie in Weiden und Rodenkirchen.

Heute versuchen die etablierten Parteien im Rat und die Verwaltung erneut, uns den Stöpsel zu ziehen. Und wir sagen wieder: Wir lassen uns nicht austrocknen!

Wir haben die besseren Argumente: Das „Bäderkonzept“ passt hinten und vorne nicht; sobald mehr Menschen schwimmen wollen, sind die Bäder zu voll. Die Wege werden zu weit, das trifft Schülerinnen und Schüler, Senioren; Familien mit geringen Einkommen. Weitere Argumente sind schon von meinen Vorrednerinnen genannt worden.

Die etablierten Politiker und Verwaltungsleute wissen genau, dass wir Recht haben. Sie wissen, dass es absurd ist, das teure Vorzeigeprojekt Lentpark für 2 Tage in der Woche für die Öffentlichkeit zu sperren. Wenn die Bäderschließer mit ihren Argumenten am Ende sind, holen sie ihr einzig echtes Argument hervor, mit dem sie jede Debatte erschlagen wollen: „Es ist zu teuer.“

Sie reden von Verlusten. Die Renovierung koste mehrere Millionen, nach der Renovierung würde Nippes 500.000 Euro und Weiden 900.000 Euro jährlich kosten. Sie drehen es so, als sei es eine Besonderheit der beiden Bäder, Verluste zu machen. Doch öffentliche Bäder können nicht kostendeckend betrieben werden!

Sie sind ein wichtiger Teil der öffentlichen Infrastruktur, für unsere Gesundheit, für unseren Spaß, für das soziale und das Vereinsleben; wichtig für alle Altersgruppen. Die Frage ist nicht, ob Bäder Verluste machen, sondern was nötig ist, um eine gute Versorgung mit Schwimmgelegenheiten sicher zu stellen.

Der Weiterbetrieb von Nippes und Weiden wäre im Rahmen der KölnBäder nicht einmal besonders teuer. Bei einer Rede auf Kundgebung kann man schwerlich viel mit Zahlen jonglieren, daher nur soviel: Durch die großen Investionen für die Neubauten, Ossendorf, Stadion-Bad und den Lentpark, zahlen die KölnBäder jedes Jahr 7 Millionen Euro alleine für Zinsen und Tilgung der Kredite. Jedes Jahr 7 Millionen Euro. Eigentlich müsste es heißen: Erhalten wir Nippes und Weiden, so viel Schwimmbad für so wenig Geld bekommen wir nicht wieder!

Die KölnBäder GmbH sind nicht alleine auf der Welt. Sie sind Teil des Stadtwerke-Konzerns, der jedes Jahr rund 200 Millionen Euro Gewinn macht. Rund 80 Millionen führt dieser Konzern an die Stadt Köln ab – um Haushaltslöcher der Stadt zu stopfen. Haushaltslöcher, die entstanden sind, weil die Kommunen über Jahre finanziell ausgeblutet wurden und unterfinanziert sind.

Auf Bundes- und Landesebene wurden gewaltige Steuersenkungen für die Reichen und Konzerne vorgenommen. Die dadurch entstehenden Löcher in den öffentlichen Kassen wurden nach unten weitergereicht; an die Kommunen, die immer mehr Aufgaben mit immer weniger Geld bewältigen müssen. Im ganzen Land kürzen die Städte bei Schwimmbädern, Jugendzentren, bei Kultur, Sozialem und Sport.

Dazu kommen hier in Köln verursachte Haushaltslöcher durch Großprojekte, die nur den Investoren, Baufirmen und Banken nutzen. Wie beim Bau des Technischen Rathauses. Wie beim Bau der Messehallen Nord. Wie beim Bau der Nord-Süd-U-Bahn. Wir akzeptieren nicht, dass die kommunale Infrastruktur gekürzt und verschlechtert wird, damit Steuergeschenke an die Reichen finanziert werden können. Es kann nicht sein, dass Schwimmbäder geschlossen werden, während Millionäre in Geld schwimmen!

Die KölnBäder GmbH verweist stolz darauf, dass jede Schwimmerin, jeder Schwimmer in Köln nur mit 6,60 Euro subventioniert wird. Andere Städte geben mehr, zwischen 7 und 10 Euro dafür aus. Ich finde, das ist ein seltsamer Stolz. Die Subvention ist in Köln vor allem deswegen so niedrig, weil die Eintrittspreise so hoch sind! Das heißt: In Köln ist das Schwimmen unsozialer organisiert als in anderen Städten.

Durch die Schließung von Nippes und Weiden würde es noch unsozialer: Längere Wege und mehr Kombi-Bäder bedeuten höhere Eintrittspreise und Fahrtkosten. Was wäre hingegen alles möglich, wenn Nippes und Weiden erhalten blieben: Der Lentpark wäre nicht überfüllt oder teilweise für die Öffentlichkeit gesperrt, er könnte voll genutzt und beworben werden. Vereine und Schulen hätten wohnortnahe Bäder.Alle Interessen – Bahnenschwimmer, Rettungschwimmer, Spaßbadbesucher – könnten besser bedient werden.

Wir brauchen Bäder für Alle: Im Veedel! Und bezahlbar!

Die hier und heute versammelten Badretterinnen und Badretter sagen es laut und deutlich: Geben sie die Schließungspläne auf, erhalten sie die Bäder und ermöglichen eine wirkliche Weiterentwicklung der Kölner Bäderlandschaft. Wir werden dafür bis zur letzten Minute, bis zum Ratsbeschluss am 13. Oktober kämpfen – und wenn nötig auch darüber hinaus! Vielen Dank!

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